Ehe als oberster Wert
Die lustigsten Szenen kommen gleich zu Beginn und dauern leider nur allzu kurz: Rückblenden in die 80er Jahre zeigen den Beginn der Freundschaft von Carrie, Miranda, Samantha und Charlotte. Die vier Frauen sind so heiss gekleidet und frisiert, dass der ganze Kinosaal brüllte vor Lachen.

Nach dem ersten „Sex and the City“- Film, der vier Jahre nach dem Serien- Aus ein Kassenschlager wurde, sind wir jetzt endlich im Finale dieser phantastischen Geschichte angekommen. Carrie (Sarah Jessica Parker), Charlotte (Kristin Davis) und Miranda (Cynthia Nixon) sind verheiratet. Nur Samantha (Kim Cattrall), die notorische Männerverschlingerin hat die Libido nicht eingehegt, sie schluckt jetzt Pillen en masse, damit sich in ihrem Schoss auch was regt und sie die Wechseljahrbeschwerden im Griff hat.

Was soll ich zum Film sagen? Erstens, ich hätte ihn gekürzt und da wär nicht mehr viel übriggeblieben, leider. Der Film kommt mit erhobenem Zeigefinger daher und wer die gesellschaftlichen Regeln missachtet, wird grosszügig belehrt.

Carrie ist Trauzeugin bei einer Schwulenhochzeit und da wird gleich der Plot festgemacht. Einer der schwulen Partner ist Italiener und wird deshalb nicht treu sein. Sein Partner wird von Carrie gefragt, ob ihm das nichts ausmacht und er meint lachend, in allen 52 Staaten, in denen die Homo-Ehe nicht legal sei, sei ihm das egal. Danach wird Mister Big von einem Schwulen angemacht und fühlt sich geschmeichelt. Die ganze schwule Gesellschaft wird klischeehaft und blöd dargestellt und dann folgt dieser Spruch: wo Liza Minnelli ist, da sind auch die Schwulen: ha, ha.

Was gehört denn noch zum Plot? Carrie und Big haben ganz verschiedene Vorstellungen von ihrer Ehe. Während er sich häuslich vor dem Fernseher niederlässt und dem vermeintlichen Leben der anderen zuschauen will, drängt es sie danach, wirklich etwas zu erleben. Sie nimmt sich darauf zwei Tage ehefrei, um einen Artikel zu schreiben und zieht dazu vorübergehend in ihre alte Wohnung. Ihr Mann ist auf den Geschmack gekommen und will künftig wöchentlich auch zwei Tage frei, in denen er machen kann, was ihn gelüstet. Carrie stimmt das ganz schön nachdenklich.

Charlotte dagegen flippt als Mutter zweier kleiner Kinder völlig aus und sperrt sich in ihrer Not vor den Kindern in die Vorratskammer ein. Die büstenhalterlose (Zeigefinger hoch) Nanny der Kinder bringt sie und die Männer ganz schön durcheinander. Miranda dagegen wird in ihrem Job gemobbt und von ihrem Mann zur Kündigung ermutigt. Miranda hört auf ihn, kündigt und schafft es dadurch rechtzeitig an die Preisverleihung ihres Sohnes. So kommt es nur gelegen, dass Samantha eine Einladung für alle Vier nach Abu Dhabi ergattert. Stilvoll werden sie in vier weissen Maybachs am Flughafen abgeholt und in die Sechs-Stern-Suite mit je einem eigenen Butler gebracht.

Carrie trifft ihre alte Liebe und es kommt zu einem Kuss (Zeigefinger hoch), der dann sofort gebeichtet werden muss: Wir haben ja keine Geheimnisse voreinander und die Freundinnen Charlotte und Miranda sind gerade zu betrunken, um das Unheil abzuwenden. Einzig Samantha warnt Carrie davor, Big nichts zu sagen, aber auf sie hört Carrie nicht. Natürlich benimmt sich Samantha auch noch völlig daneben. Zuerst regt sich gar nichts in ihrem Schoss, denn die Pillen wurden ihr bereits am Zoll abgenommen und als Drogen deklariert. Doch dann dreht sie völlig auf und wird schliesslich verpfiffen und verhaftet. Kein Problem, die Rechtsanwältin Miranda ist ja im Team und holt sie wieder raus. Das Paradies endet abrupt, wer kann schon 20’000 Dollar für eine Suite pro Nacht bezahlen?

Carrie fliegt mit den Freundinnen nach Hause und wird nicht abgeholt und auch im trauten Heim ist niemand. Endlich kommt Big nach Hause und steckt ihr zur Strafe einen funkelnden Klunker an den Finger, der ab jetzt das Funkeln ihrer Ehe ausmacht und sie muss ihm versprechen, dass sie niemals mehr einen anderen Mann küsst und von jetzt an brauchen sie nie mehr eine Auszeit voneinander. Am Schluss liegen sie endlich auf dem Sofa, sind glücklich, schauen fern und geniessen ihre Ehe.

Wie sagte die eine der drei Frauen, die mit mir zusammen im Kino waren? „Jetzt sind sie aber wirklich alt und faltig geworden.“ Fade und langweilig trifft es wohl eher.